Blitzkrieg

Das Internet ist für viele Anbieter von Produkten und Dienstleistungen offenbar immer noch feindliches Terrain, auf das man sich am besten nur mit anwaltlicher Hilfe begibt. Ein schönes Beispiel für dieses Mißverständnis bietet ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 3. Dezember 2008. Hier wird von einem so verbreiteten wie seltsamen Verständnis des Marktes ausgegangen: Zwar bietet eine Firma eine Ware oder eine Dienstleistung auf dem Markt, also in aller Öffentlichkeit an, aber dieselbe Öffentlichkeit darf sich dann nicht über die Qualität dieses Produktes austauschen.

Überschrieben ist der Artikel von Tobias Gostomzyk, Rechtsanwalt in der Kölner Kanzlei Höcker, bezeichnenderweise mit „In jedem steckt ein Warentester“. Kaufen darf also jedermann, aber eine Meinung zum Produkt haben und äußern darf zum Beispiel nur die Stiftung Warentest und auch die steht dann immer wieder unter Beschuß. Gostomzyk beschreibt zunächst die Sorge vieler Firmen über Kommentare im Internet zu ihren Produkten: „Negative Kommentare befinden sich oft auf etliche Weblogs verstreut, die wiederum aufeinander verweisen. Auch werden sie bisweilen von klassischen Medien zitiert. Wie sollen sich Unternehmen also gegen unlautere (!) Produktkritiken durch Verbraucher wehren?“ Schon die In-eins-Setzung von Kritik mit unlauterer Kritik zeigt das Mißverständnis Gostomzyks über die Möglicheiten und die Rolle des Internets. So ist es denn auch kein Wunder, wenn er dann weiter ausführt: „Es gibt keinen einfachen juristischen Weg, um den guten Ruf von Produken zu wahren. Stattdessen muss effektiver Rechtsschutz kommunikationsstrategisch erfolgen. So gibt es nur wenige Weblogs, auf die Tausende Internetnutzer zurückgreifen und die gleichzeitig einen hohen Verlinkungsgrad zu anderen Websites besitzen. Bei diesen „A-Blogs“ kann eine blitzschnelle juristische Intervention sinnvoll sein…“

Also Blitzkrieg statt Kommunikation. So macht man sich natürlich überaus beliebt im Internet, was Gostomzyk zwar selber als Gefahr beschreibt, aber eben dennoch anrät. Natürlich schreibt er hier auch pro domo, er will ja als Anwalt daran verdienen. Siehe hierzu auch den Artikel in diesem Blog „Opinion Leader Relationship Management“ vom 24.9.08.

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Antwort Beschwerdepapst

    Sehr geehrter Herr Möhringer,

    vielen Dank für Ihre Besprechung meines F.A.Z.-Beitrags vom 03.12.2008. Mir ging es nicht um einen „Blitzkrieg“ oder gar darum, die Meinungsfreiheit zu schmälern. Einzig galt mein Bemühen zu verdeutlichen, wann es für Unternehmen alleine Sinn machen kann, gegen „unlautere“ – also rechtswidrige – Produktkritik vorzugehen. Wann Produktkritik wiederum unlauter ist, schildere ich im letzten Absatz des Artikels: Sie muss unwahre Tatsachenbehauptungen enthalten oder eine Schmähkritik darstellen. Solche Äußerungen muss sich eben niemand – also weder Unternehmen noch Verbraucher – gefallen lassen. So ist das Gesetz. Sehen Sie das anders?

    Beste Grüße
    Tobias Gostomzyk

  2. admin

    Richtig. Aber zuvor verwenden Sie 59 Zeilen darauf, den Unterschied zwischen angreifbaren und nicht-angreifbaren Blog-Einträgen zu verwischen, eben um zum anwaltlichen Angebot zu kommen, daß sich “blitzschnelle” juristische Schritte gegen Weblogs lohnen. Was sie aber nicht tun, denn bekanntlich gehen solche Attacken im Internet meist wie ein Hase-Igel-Rennen aus und streben ohnehin aus den beschriebenen Gründen für gut beratene Firmen in die falsche Richtung.
    Daß Sie dabei im übrigen tatsächlich pro domo schreiben, ergibt sich nach Informationen von Bloggern auch durch Klienten, die Sie bereits vertreten. Dazu gehört die Firma Medusa United Media GmbH aus Köln, die die möglicherweise doch nicht ganz “hochwertige” Internet-Kontaktseite flirtcafe.de betreibt (”Für die Seriosität unseres Unternehmens stehen wir mit unserem Name (!) gerade.”). Im Internet hat diese Seite jedenfalls einen zweifelhaften Ruf und der ist allem Anschein nach redlich verdient.
    In einem sei Ihnen natürlich beigepflichtet: Sie schreiben am Ende Ihres Artikels in der FAZ, “doch Vorrang muss haben, den guten Ruf von Unternehmen und Produkten zu bewahren”. Und den von Rechtsanwaltskanzleien.

  3. Martin K.

    ein Halleluja dem Beschwerdepapst! Tolle, absolut lesenswerte Analyse.

  4. Karl L.

    Meine volle Sympathie dem Beschwerde-papst. Sehr interessante Diskussion insofern das unlauter auch gleich Unrecht im gesetztlichen Sinne ist und auch der oberste Vorrang des guten Rufes von Unternehmen und Produkten…. Insofern klingelt natürlich insbesondere bei Kanzleien die Kasse die die guten Produkte der Finanzwirtschaft zu verteidigen haben mit denen Milionnen um Milliarden betrogen wurden. Natürlich nicht unlauter weil nicht unrecht oder ? Glücklicherweise ist aber auch Recht eben nur in seiner Zeit gültig ansonsten würden wir heute noch Hexen verbrennen.
    Übrigens kann der gute Ruf eines Produktes nur durch das Unternehmen selbst erhalten werden. Dann wird es zur Marke. Diskriminierungen verstehen sich selbst als absurd. Erhalten kann das aber nur der Unternehmer. Firmen die Anwälte in dieser Hinsicht bemühen müssen wären mir ohnehin sofort suspekt.

  5. Roland Maischberger

    zahlreiche Beschwerden über besagte Medusa United Media GmbH, die von der Kanzlei Hoecker vertreten wird, kann man relativ einfach über Google finden. Einfach die Begriffe „Beschwerde Medusa United Media“ eingeben. Außerdem darf auf keinen Fall verschwiegen werden, daß Herr Ralf Höcker über einen Wikipediaeintrag verfügt, auf der man gemäß den Richtlinien von Wikipedia jederzeit informatives ergänzen kann und soll:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ralf_H%C3%B6cker

    Einfach mal ausprobieren und auch bei den Diskussionsbeiträgen mitmischen.

    Die Kanzlei Höcker ist sehr prominent in verschiedenen Top Medien mit Verbraucherschutzbeiträgen vertreten. Diese Medienpartner wissen eventuell gar nicht, was für eine tolle Kanzlei das ist? Wer Lust hat, kann ja seine Erfahrungen direkt an den Spiegel schreiben (frank_patalong@spiegel.de), oder Heise (kontakt@heise.de).

  6. User78

    Beim G oogle Fight liegt Katja Günther immer noch weit vorne. http://www.googlefight.com/index.php?lang=en_GB&word1=Ralf+H%F6cker&word2=Katja+G%FCnther

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.