„Ein Volk von Testern“

Einen schönen Überblick über die gestiegene Lust der Deutschen an Bewertungen und Beschwerden im Internet und die sich wandelnde Reaktion der Leistungsanbieter bietet in der ZEIT Christoph Drösser (http://www.zeit.de/2008/14/T-Internettest). Großen Raum nimmt in dem Artikel die Hotel-Bewertungsseite www.holidaycheck.de ein. Drösser beschreibt, für die meisten Firmen sei es eine „neue Erfahrung“, dass die Kunden ihr Urtel so unverblümt ins Netz stellen können: „Bisher lief die Kommunikation über Werbung und PR nur in eine Richtung.“ Die Reaktion sei zunächst ignorieren und dann abblocken. „Da wird verlangt, kritische Beiträge zu löschen, oder man klagt gegen eine schlechte Bewertung des eigenen Produktes.“ Aber die Meinungsfreiheit gelte auch für Verbraucher im Internet, nur gegen falsche Tatsachenbehauptungen und offenkundige Beleidigungen könne man juristisch vorgehen. Die Hotels seien inzwischen aber weiter und akzeptierten die Hotel-Bewertungsseiten als Partner.

Drösser weist auf eine grundlegende Schwäche von Beschwerden im Internet hin, die tatsächlich für die Anbieter von Leistungen problematisch ist: Eine Beschwerde allein ist selten aussagekräftig, ein tragfähiges Urteil über ein Hotel/Produkt/Dienstleistung kommt erst durch eine Reihe von Kritiken zustande. Erst dann nivelliert sich auch das Gewicht von gewohnheitsmäßigen Nörglern und Störern, die sich natürlich auch im Internet tummeln. Die Bewertungsseiten, mit Ausnahme der für Hotels, seien jedenfalls noch weit entfernt vom Gewicht der Stiftung Warentest.

Informativ dazu ist auch ein Interview in der ZEIT mit der Agentur Intertone Worldwide, die das Image von Firmen im Internet untersucht (http://www.zeit.de/2008/14/T-Interview)

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Jörg

    Leider aber kann man das Interview in der ZEIT nicht lesen, denn sehen Sie was kommt nach dem Klicken:

    „The URL is not valid and cannot be loaded“

    Können Sie bitte etwas dazu machen?

  2. Roland Maischberger

    @Jörg: habe es auch gerade probiert. Sie haben Recht. Wenn man den Link direkt in die Adresszeile packt, dann funktioniert es:

    http://www.zeit.de/2008/14/T-Interview

    Gruß

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